Selbstwert

Dich selbst klein machen dient nicht der Welt

Was ich alles kann!

Die heutigen Gedanken knüpfen an die Glaubenssätze und Ressourcen an. Dabei ist mir ein weiterer Aspekt eingefallen, der uns oft daran hindert, wir selbst zu sein. Das sind unsere ungelebten Fähigkeiten. Wir machen es uns damit besonders schwer, weil unsere Gesellschaft vordergründig defizitorientiert handelt und denkt. Es ist fast anrüchig, wenn man sagt: "Ich kann richtig gut organisieren, ich bin eine begnadete Köchin, ich erziehe meine Kinder großartig."

Wenn Du so einen Satz offen aussprichst, bewegst Du dich auf sehr dünnem Eis. Ich erlebe oft, dass Menschen, die mich anfangs richtig sympathisch finden, doch zusammenzucken, wenn ich von etwas erzähle, dass ich verdammt gut gemeistert habe. Dann höre ich fast, wie er oder sie denkt: „Also am Anfang fand ich sie noch total nett… aber jetzt…!“

 

Eigenlob stinkt!

Das gehört sich nicht! Eigenlob stinkt! Die ist ja eingebildet! Wir sind darauf konditioniert, uns unter Wert zu verkaufen. „Bescheidenheit ist eine Tugend.“ Aber auch Erfolg zu haben, ist nicht so einfach. Ich habe beobachtet, dass Menschen durch die Medien eine Zeit lang gefeiert werden. Dann allerdings kommt häufig der große Fall. Die gleichen Menschen beziehen in dem Maße Schelte von den Medien, wie sie vorher hochgejubelt wurden… und zack, sind sie wieder ganz unten in der Nahrungskette. Warum fällt es so schwer, anderen Menschen ihren wohlverdienten Erfolg zu gönnen? Weil wir uns selbst diesen ersehnten Erfolg nicht gönnen?

Nelson Mandela sagte einmal: „Wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen, geben wir anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.“ Diesen Satz finde ich sehr tröstlich. Wenn wir diese Aussage verallgemeinern, könnte es heißen: „Dich selbst klein zu machen, dient nicht der Welt.“ (Ebenfalls ein Zitat von Mandela)

Wir leben eine „Klagekultur“. Die ist akzeptiert. Hier paaren sich alle niederen Gefühle wie Neid, Missgunst, mangelndes Selbstwertgefühl, Selbstmitleid und die irrsinnige Hoffnung auf "geteiltes Leid ist halbes Leid". Aber weit gefehlt. Sobald wir klagen, verstärkt sich diese geballte Negativität. Es ist wie bei einer Sucht. Kurzzeitig geht’s einem gut. Man erfährt Entlastung. Danach geht’s einem in der Regel eher schlechter als besser.

 

Stärkenschmiede

… Erlauben wir uns doch einmal unverbindlich, zu sagen was wir können. Und jeder einzelne kann so enorm viel. Ich zum Beispiel kann gut Zähneputzen. Man sieht es zwar nicht, weil ich erst mit 30 so richtig durchgestartet bin. Aber das kann ich jetzt verdammt gut. Ich kann wahnsinnig gut lachen. Eine Fähigkeit, mit der in meiner Jugend keiner so richtig gerechnet hätte. Ich lebe meine Kreativität, weil ich nicht so viel Zeit mit Aufräumen verschwende. Ich werde mir jetzt mal meine persönliche Stärkenschmiede aktivieren und bekennen, was ich so drauf habe. 

  1. Mut
  2. Hoffnung
  3. Spiritualität
  4. Freude an Veränderung
  5. Hingabe
  6. Begeisterung
  7. Neugierde
  8. Liebe
  9. Furchtlosigkeit
  10. Offenheit
  11. Großzügigkeit
  12. Unkonventionalität
  13. Reflektion
  14. Fröhlichkeit
  15. Treue
  16. Vorstellungskraft
  17. Schauspieltalent
  18. Genuss Fähigkeit

Eine meiner größten Gaben ist allerdings meine „Kurzsichtigkeit“. Ich habe nie den genauen Überblick, was mich erwartet, wenn ich dieses oder jenes beginne. Ich erkenne selten die Komplexität, die mein Handeln mit sich bringt. Ich habe mal auf der Bühne als Komikerin gearbeitet. Wenn ich vorausgesehen hätte, wie unfassbar schwer es ist, Menschen zum Lachen zu bringen… wenn ich auch nur geahnt hätte, dass ich durch die gemeinsame Arbeit mit meinem damaligen Mann, eben diesen kostbaren Menschen verlieren würde, …hätte ich diesen Preis vermutlich nicht bezahlt. Mein ganzes Leben ist bestimmt davon, dass ich süchtig nach Wissen und neuen Erfahrungen bin. Ein Lebensjunkie.

Wenn ich gewusst hätte, wie umfangreich und anspruchsvoll Kindererziehung ist, wenn ich hätte einschätzen können, wie eindimensional und schlecht bezahlt der Beruf der Physiotherapeutin sein kann. Wenn ich begriffen hätte, was es bedeutet, aufs Land zu ziehen und ein Haus zu kaufen und sich einsam zu fühlen…

Aber Fakt ist, all diese Dinge sind geschehen. Ich habe gelernt, auch über mich zu lachen. Ich habe die Erfahrung machen dürfen, andere zum Lachen zu bringen. Ich habe nach meiner Trennung meinen jetzigen Mann kennengelernt, der der Vater meiner beiden Kinder ist. Ich habe neben diesen- so viele kostbare Geschenke erhalten, die alle Verluste und Anstrengung völlig aufgewogen haben.

Mein Mann ist das krasse Gegenteil. Er wägt grundsätzlich alles ab. Denkt an jede noch so unwichtig erscheinende Eventualität. Um dann festzustellen, dass es besser doch nicht umgesetzt wird. Er sieht den ganzen Berg. Die Konsequenz ist: „Dann lass ich es lieber“. Aber der gleiche Mann ist auch unser Fels in der Brandung. Er weiß jederzeit, warum er Dinge tut oder lieber lässt. Er trägt jederzeit die volle Verantwortung und würde nie riskieren, jemanden mit ins Verderben zu reißen.

Also, was das angeht, bin ich wesentlich schmerzfreier. Mit mir erlebt man viele spannende Dinge. Es kann dann auch mal sein, dass man sich plötzlich in einem Gebiet befindet, wo Cholera, Pest und andere Gefahren lauern. Denn besagte Kurzsichtigkeit ist nicht nur meine größte Ressource, sondern auch meine größte Schwäche. So ist das mit den Stärken. Im guten flow sind sie alle da und abrufbar. In schwierigen Situationen heißt es darauf zu vertrauen, dass wenn es mit der einen Reccource nicht so klappen will, noch viele andere am Start sind, die das auffangen. 

 

Innere Haltung

Über Ressourcen wird immer so viel geredet. In der Sozialbranche bekommen die meisten schon leichte Verfärbungen im Gesicht bei diesem Wort. Warum? Ich habe mich lange in diesem Kontext bewegt und festgestellt, dass es oft nicht viel nützt, wenn man gewisse Dinge richtig gut kann. Wenn die Leitung einer Institution die Ressourcen der Mitarbeiter nicht wertschätzt, kann es sein, dass man selber in ein Ungleichgewicht kommt. Die Folge ist, dass man nicht nur die Dinge, die man eh nicht gut kann, nicht schafft – sondern auch noch das, wo eigentlich alles supi laufen könnte, vergeigt. Für einige Mitarbeiter kann das einen Burnout nach sich ziehen. Selbstwert und Selbstwirksamkeit verabschieden sich. Kein Mensch kann alles gleich gut. Ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn man jedem Mitarbeiter den Platz anbieten würde, den er mit seinen Stärken ausfüllt, es weniger Probleme geben würde.

Wer kennt nicht diese Vorstellungsgespräche mit der legendären Frage: „Was sind denn Ihre Stärken und Schwächen.“ In meinen Augen eine Farce. Es kommt dabei weniger auf die Inhalte an. Sondern darauf, wie ich mich darstelle. Ein Verkaufsgespräch. Höher, schneller, weiter ist nicht immer ein Weg nach oben. Die Anzahl der Menschen mit einem Zentralausfall (Burnout) wird immer größer und alarmierender. Aber das zeigt auch, dass diese Menschen ihre Grenzen spüren. Und das ist eine gute Nachricht. Irgendetwas in ihnen schreit: „Stopp.“ Ich will so nicht mehr weitermachen.

Auf der anderen Seite ist es immer wieder an uns, unsere Haltung zu überprüfen. Das macht uns freier und unabhängiger von der Meinung oder Gunst der anderen. Dazu müsste man allerdings offen sagen, was man erwartet. Aber oft erscheint es viel einfacher, darauf zu vertrauen, dass jemand Gedanken lesen kann.

Wenn wir uns unserer Haltung und unserem Handeln bewusst sind, nehmen wir gleichzeitig eine verantwortungsbewusste Position ein. Wir registrieren früh genug, wann genau wir uns ins Aus manövrieren. Dann füttern wir nicht unseren Ohnmachtsspeicher, der uns klein und hilflos werden läßt. Wir gehen in keine Opferrolle und entwickeln Schuldgefühle. Wir gehen in unser Erwachsenen - ich. (Transaktionsanalyse). Aus dieser Position heraus können wir souverän alle Entscheidungen treffen. 

Wenn Du jetzt gerade 5 Minuten Zeit hast, dann schreibe doch mal ganz unverbindlich 20 Dinge auf, die Du gut kannst. Wenn Dir so spontan nichts einfallen sollte - benenne einfach mal alles, was Dir leicht fällt. Und 20 sind nicht viel. Du könntest auch 50 aufzählen. Viel Spass!

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Kommentar von mareike |

Liebe Kerstin!!!!
Nach einem life Coaching mit Dir , habe ich ,noch mehr Selbstvertrauen entwickelt.
Du hast es geschafft , mir vor Augen zu führen , was für starke Eigenschaften in mir schlummern.
Obwohl es mir beim Coaching nicht leicht fiel ,spontan ein paar Stärken von mir zu finden , habe ich im nachhinein noch mal Tiefgründiger nachgedacht , und da sind mir noch einige"viele" eingefallen.
Meine innere Haltung hat sich total geändert.
Ich sehe mich absolut nicht mehr in dieser Opferrolle,"warum gerade ich, immer wieder so hungern und leiden muss".
Ich sehe mich jetzt als verantwortungsvolle Frau, die ganz einfach , sehr bewusst mit ihrem Körper umgeht, und nebenbei Gewicht verliert ,und das finde ich einfach Wunderbar !!! Ein Herzliches Dankeschön dafür * :-)))